Interview zum Thema Veganuary

Mit Beiträgen von Veganuary, Studierendenwerk Paderborn und Mensarevolution.

 

Über Veganuary

Veganuary ist eine gemeinnützige Organisation und Kampagne, die Menschen weltweit motiviert, sich im Januar und darüber hinaus vegan zu ernähren. Veganuary wurde 2014 an einem Küchentisch im britischen Yorkshire gegründet. Heute ist die Bewegung weltweit aktiv – mit Kampagnenzentren in Deutschland, Spanien, den USA, Brasilien, Chile, Argentinien, Indien und Großbritannien sowie offiziellen Partnerorganisationen in der Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich, Australien, Südafrika, Singapur und Mexiko. Millionen von Menschen nahmen weltweit am Veganuary 2024 teil, indem sie aktiv die Unterstützung der Organisation nutzten oder eine vegane Ernährung einfach ausprobierten. Allein in Deutschland beteiligten sich 2024 mehr als 1.000 Unternehmen an der Kampagne.


Portrait Christopher Hollmann, Director Germany, Veganuary

Christopher Hollmann studierte Kognitionspsychologie und Medienwissenschaften und setzt sich seit 2013 beruflich für eine rein pflanzliche Ernährung, Tiere und Klima ein. Er ist seit der ersten deutschsprachigen Kampagne 2020 Teil von Veganuary, 2022 hat er als Director Germany die Leitung von Veganuary Deutschland übernommen.

 

Zwei Fragen an Christopher Hollmann

1.    Was sollten die Betriebe im Hinblick auf die Kommunikation zur Präsentation von veganen Gerichten beachten?
Millionen Menschen starten jedes Jahr in den Veganuary, um eine pflanzliche Ernährung bewusst auszuprobieren. Eine Vielzahl der Teilnehmenden ernährt sich vor dem Veganuary omnivor oder pescetarisch, aß also Fleisch und/oder Fisch. Umso wichtiger wird es, habitualisierte Essgewohnheiten abzuholen und zu bedienen. Veganisierte Bestseller, also pflanzliche Varianten beliebter Gerichte, haben dann eine Schlüsselfunktion inne. Gute Sichtbarkeit der pflanzlichen Angebote – z. B. gesondert hervorgehoben im Rahmen des Veganuary – sowie dauerhafte Empfehlungen auf Speisekarten fördern die Nachfrage; und Preisparität oder -vorteile gegenüber den Tierprodukten laden zum Probieren ein.

2.    Welche Schlüsse lassen sich aus den Erfahrungen mit dem Veganuary für den Rest des Jahres ziehen?
⁠Der Großteil der Menschen, die während Veganuary einen Monat lang eine pflanzliche Ernährung ausprobieren, behalten klima- und umweltfreundlichere Essgewohnheiten langfristig bei. Sechs Monate nach dem Veganuary 2023 zeigten Umfrageergebnisse: 80 Prozent der Teilnehmenden, die sich vor ihrer Anmeldung noch nicht vegan ernährten, haben ihren Konsum von Tierprodukten weiterhin um mindestens die Hälfte reduziert – 28 Prozent ernähren sich weiterhin vollständig vegan. Es lohnt sich also, pflanzliche Angebote auch über den Veganuary hinaus zu erweitern und fördern: Ein Angebot pflanzlicher Gerichte ist stets eine Einladung zum Probieren, sowohl im aufmerksamkeitsstarken Rahmen des Aktionsmonats, aber auch weit darüber hinaus.


Über das Studierendenwerk und die Mensen Paderborn

In den Mensen werden schon heute jeden Tag raffinierte vegane Gerichte angeboten. In der Mensa Academica beispielsweise sind es jeden Tag zwei vegane Gerichte und ein vegetarisches Gericht. Mit tollen Rezepturen und Zutaten haben sich einige der veganen Gerichte fest im Speisenplan etabliert. Der Anteil der angebotenen als auch der verkauften vegetarischen beziehungsweise veganen Hauptgerichte lag 2022 bei etwa 50 %. Das Studierendenwerk Paderborn ist zuständig für mehr als 25.000 Studierende. Es ist ein unabhängiger Partner der Universität Paderborn, der Hochschule Hamm-Lippstadt und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn. Somit ist das Studierendenwerk ein großer Versorger und Auftraggeber sowie ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, der auch einen attraktiven Ausbildungsbetrieb stellt.


Portrait Mareike Wecker, Leitung Marketing und Kommunikation und Erhard Wolf, Leitung Hochschulgastronomie Studierendenwerk Paderborn

Mareike Wecker ist eine studierte Linguistin und Marketer mit Passion. Seit 2023 leitet sie die Geschicke des Marketings und der Kommunikation beim Studierendenwerk Paderborn. Sie setzt sich für eine transparente Kommunikation der Leistungen des Studierendenwerks und den direkten Dialog mit den Studierenden ein.
Erhard Wolf ist staatlich geprüfter Gastronom, Küchenmeister und diätetisch geschulter Koch/DGE. Nach gastronomischen Wanderjahren, einer mehr als 20-jährigen Selbständigkeit, ersten Erfahrungen in der Gemeinschaftsverpflegung in einer Rehaklinik, ist er seit August 2014 im Studierendenwerk tätig. Er ist aus Überzeugung gastronomischer Dienstleister und hört genau zu, wenn die Studierenden ihre Wünsche z. B. zur Speiseplangestaltung äußern. Dabei ist ihm ein qualitativ hochwertiges, möglichst aus frischen Lebensmitteln zubereitetes Speisenangebot wichtig.

 

Fragen an Mareike Wecker und Erhard Wolf


Mareike Wecker
1.    Welche Rückmeldung von den Besucher*innen gab es, die für die Zukunft berücksichtigt werden sollen und auch für eventuelle Anpassungen genutzt werden können?
Gerade unsere Aktionen, Events und Einblicke ‚behind the scenes‘ während es Veganuary sind auf großes Interesse gestoßen. Dass auch in einer Küche zur Gemeinschaftsverpflegung auf abwechslungsreiche & raffinierte vegane Gerichte Wert gelegt wird, war vielen Gästen nicht bewusst. Diese Einblicke haben wir ganz klar in der Kommunikation genutzt und für einen Aha-Effekt bei den Studierenden gesorgt. Wir nehmen dies Signal mit und führen diese Transparenz und den persönlichen Dialog rund um die Themen (vegane) Verpflegung weiter, auch außerhalb des Veganuary.


Erhard Wolf, Hochschulgastronomie Paderborn
1.    Welche Gerichte konnten in der Küche besonders gut umgesetzt werden und kamen diese auch bei den Gästen gut an? Gab es Gerichte, die nun in den Speiseplan übernommen werden?

Die Gemeinschaftsverpflegung des Studierendenwerks Paderborn setzt schon seit vielen Jahren auf vegane Gerichte im Speiseplan. Daher war eine Neukonzipierung zum Veganuary von unserer Seite nicht notwendig, da schon jetzt die Akzeptanz bei den Studierenden für unsere Rezepte groß ist. Diese fordern sogar eine stetige Weiterentwicklung in diesem Bereich. Dem nehmen wir uns gerne an und sind aufgeschlossen den Entwicklungen gegenüber. Wir überprüfen daher immer wieder Rezepturen, Zutaten und Lieferanten mit den Köch*innen und Betriebsleitungen. Dabei ist schon oft das ein oder andere Rezept in unsere Datenbank übernommen worden, welches die Vielfalt des Speisenangebotes abwechslungsreich zu gestalten.

2.    Mussten/konnten Prozesse angepasst werden, die sich auch zukünftig beibehalten werden sollen?

Prozesse haben wir nicht angepasst. Merkbar war, dass wir mit den verschiedenen Aktionen und der Außendarstellung im Januar viel mehr mit den Studierenden kommuniziert haben, als das im normalen Alltag der Fall war. Wir, aber auch die Studierenden, haben das als Gewinn des Veganuarys war genommen.

 

Über Mensarevolution

Als bundesweite studentische Initiative startete die Mensarevolution 2022 mit der Mission, die Transformation der Hochschulgastronomie hin zu einem pflanzenbasierten, gesunden und dennoch preiswerten Angebot voranzubringen. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung und der Einfluss der Ernährung auf das Voranschreiten des Klimawandels gebieten hier schnelles Handeln hin zu einer nachhaltigen & zukunftsfähigen Mensalandschaft.
Aus dem großen Zuspruch für das CO2-Projekt zur Berechnung und Anzeige der CO2-Äquivalente der Mensaessen hat die Initiative gelernt, dass Klimagerechtigkeit in der Mensa vielen, egal wo, gleichermaßen eine Herzensangelegenheit ist und dass man gemeinsam einfach viel mehr erreichen kann. So ist nicht jedes Studierendenwerk und jede studentische Mensagruppe allein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Hochschulgastronomie, was vom Status Quo ausgehend gar nicht so einfach ist.


Portrait Florian Wendler

Florian Wendler studierte Elektrotechnik an der TU Dresden und setzt sich seit 2019 nebenbei ehrenamtlich für die Hochschulgastronomie ein. 2019 gründete er zunächst die AG Mensa der TU-Umweltinitiative Dresden. Ab 2021 war er Mitgründer der bundesweiten Initiative „CO2-Projekt – Klimabewusste Mensa“. Anfang 2022 gründete er schließlich die bundesweite Initiative „Mensarevolution“ mit und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit bei beiden Initiativen weiterhin ehrenamtlich aktiv.


Frage an Florian Wendler

1.    Nennen sie doch bitte 2 Praxisbeispiele, die sich von den Mensen auf andere Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Kliniken oder Senioreneinrichtungen übertragen lassen.
Zuallererst möchte ich hier unsere Minimalforderung nach mind. 1 veganem Gericht jeden Tag in jeder Mensa anführen, die mittlerweile in vielen Studierendenwerken wie bspw. in Leipzig, Dresden, Halle oder Berlin tägliche Praxis ist. Hiervon sind Schulen und Kliniken leider zum Teil noch weit entfernt. Um das auch an Kitas, Schulen, Kliniken und Senioreneinrichtungen einzuführen, läuft übrigens gerade auch die Kampagne „Vegane Kantinen“ der Deutschen Umwelthilfe.  
Studierendenwerke sind meist Vorbilder in Sachen Kreativität und Innovation. Hier werden neue Gerichte getestet, gekocht und von den Besuchenden positiv angenommen, die an anderen Orten erst Jahre später auf die Teller kommen. Gerade denke ich an die neue vegan-vegetarische Mensa am Templergarten in Aachen, die bspw. 10 vegane Varianten belegter Brötchen ins Sortiment genommen hat oder das Studierendenwerk Hannover, das im Zuge des Veganuary viele neue vegane Desserts eingeführt hat. Beides würde sich auch in anderen Kantinen funktionieren.