Mittwoch, 30.07. 2025
Pressemitteilung

WBAE fordert erneut die verbindliche Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards

In einem am 22. Juli veröffentlichten Gutachten analysiert der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) das Potenzial sogenannter Alternativprodukte.

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Pflanzenbasierte und biotechnologische Alternativen zu Fleisch, Milch und Co. gewinnen langfristig an Bedeutung – auch angesichts drängender Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Tierwohl.  Der Beirat empfiehlt der Bundesregierung, Technologien in diesem Bereich gezielt zu fördern – als Baustein einer zukunftsorientierten Politik für nachhaltigere Agrar- und Ernährungssysteme.


Das Gutachten betrachtet pflanzliche Alternativprodukte (Tofu, Seitan, etc.), biotechnologische Verfahren wie Zellkultivierung (künstliches Fleisch) und Präzisionsfermentation (durch Mikroorganismen hergestellte tierische Zutaten/Lebensmittel)  als auch sogenannte Hybridprodukte (Mischung aus  kultiviertem Fleisch und pflanzlichem Protein). Sie alle können dazu beitragen, einige negative Umweltwirkungen der Nutztierhaltung (Produktion von klimaschädlichen Treibhausgasen und Gülle, hohe Landnutzung durch Weidehaltung und Futteranbau) zu verringern – ohne dass Menschen ihr Ernährungsverhalten grundlegend ändern. „In den letzten Jahren essen die Menschen in Deutschland schon rund 10 kg Fleisch weniger pro Jahr, aber dafür mehr Käse. Dadurch sind die gesamten Treibhausgasemissionen der Ernährung kaum gesunken. Alternativprodukte können einen Ausweg aus diesem „Käseparadox“ bieten, weil sie häufig eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz aufweisen“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Universität Göttingen und Vorsitzender des Beirats. Dafür braucht es Alternativen, die optisch wie geschmacklich überzeugen und deshalb auch eine gezielte Förderung der Entwicklung neuer Produkte.


Zukunft gestalten – Chancen nutzen

Das Angebot von Alternativprodukten erweitert die individuellen Wahlmöglichkeiten, so dass auch Menschen mit unterschiedlichen Ernährungsvorlieben weiterhin gemeinsam an einem Tisch die Mahlzeiten genießen können und gleichzeitig eine nachhaltigere Ernährung gefördert wird.
Die Wissenschaftler sehen in der Entwicklung von Alternativprodukten eine Herausforderung für die Nutztierhaltung – aber auch eine Chance, bei der der schrittweise Wandel im Vordergrund stehen sollte.  In seinem Gutachten empfiehlt der Beirat eine Reihe von Maßnahmen, die den Erhalt artenreicher Kulturlandschaften sichern können.
Bei der Empfehlung: „Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch ermöglichen“ spricht sich das WBAE erneut dafür aus, die DGE-Qualitätsstandards  für die öffentliche Gemeinschaftsgastronomie verbindlich festzulegen. Die Wissenschaftler sehen durch den Einsatz von Alternativprodukten die Chance, die Implementierung der DGE-Qualitätsstandards in der Gemeinschaftsverpflegung für Caterer und Verbraucher*innen zu vereinfachen. Für Caterer können Alternativprodukte aufgrund ihres meist höheren Verarbeitungsgrads oftmals ohne großen Aufwand in den laufenden Küchenprozessen eingesetzt werden. Gleichzeitig könnte ihre geschmackliche und funktionale Ähnlichkeit zu bekannten, tierischen Produkten die Akzeptanz bei Verbraucher*innen erhöhen.


Praxistipps für den gemeinsamen Tisch

Um einen „gemeinsamen Tisch“ zu fördern und eine nachhaltige Ernährung zu ermöglichen, sollten Mensen und Kantinen immer auch pflanzliche Speisen gezielt anbieten. Die Rezeptdatenbanken der DGE-Projekte für die Gemeinschaftsverpflegung bieten hier eine tolle Auswahl für alle.
Die Poster zu empfehlenswerten Lebensmittelqualitäten und -häufigkeiten geben eine gute Übersicht  für ein gesundheitsförderndes und nachhaltiges Angebot und helfen dabei, den „gemeinsamen Tisch“ zu gestalten.
Auch dieser Film greift das Thema: „Weniger Fleisch: Mehr Genuss, Gesundheit und Nachhaltigkeit“ auf.