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Verpflegung von Menschen mit Demenz

Der Energie- und Nährstoffbedarf von Menschen mit Demenz unterscheidet sich zunächst nicht von dem für gesunde ältere Menschen und basiert auf einer ausgewogenen Ernährung.Jedoch nimmt der individuelle Verlauf der Krankheit zunehmend Einfluss auf das Ess- und Trinkverhalten, wodurch das Risiko für eine Mangelernährung steigt. Hinzu kommt, dass Betroffenen ihre Wünsch und Bedürfnisse immer schlechter mitteilen können, so dass eine gute Beobachtungsgabe, Empathie und eine stetig geführte Essbiografie die oft einzigen Quellen für Informationen sind. Die Fähigkeiten von Senioren mit Demenz werden tendenziell schlechter, können aber von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Dies trifft auch auf das Essen und Trinken zu. Was gestern gerne gegessen wurde, kann heute abgelehnt werden. Einige Senioren essen nur das was sie kennen, andere sind offen für alles und lange in der Lage das Essen zu genießen.

  • Widmen Sie der Verpflegung ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Bedeutung und bieten Sie jedem Betroffenen eine geeignete Speisenzusammenstellung und Darreichungsform, ein möglichst eigenständiges Essen und Trinken zu ermöglichen.
  • Achten Sie dem Krankheitsverlauf und der individuellen Tagesverfassung entsprechend, darauf eine möglichst vollwertige und abwechslungsreiche Verpflegung zur Verfügung zu stellen, um eine Mangelernährung zu vermeiden. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten die Speisen oder einzelne Speisenkomponenten, je nach (tagesaktuellen) Fähigkeiten des Betroffenen, darzureichen: weicher gekocht, gewürfelt, fein geraspelt, aber auch angedickt, geliert oder als Schaum.
  • Bei Senioren mit Lauftendenzen oder denjenigen, die auch im Bett liegend oft unter extremer Anspannung stehen oder unruhig sind, kann der Energiebedarf im Extremfall bei bis zu 3.000 bis 4.000 kcal pro Tag liegen. Achten Sie in diesem Fall auf eine energiereiche Kost.
  • Frische Kräuter regen nicht nur die Sinne an und rufen möglicherweise positive Erinnerungen hervor, sondern liefern auch Vitamine, Mineral- sowie sekundäre Pflanzenstoffe.

Eine gute Möglichkeit ist es Lieblingsspeisen des Seniors zu optimieren. So kann beispielsweise die Grießspeise mit Zimt und Zucker aus Vollkorngrieß zubereitet, etwas Rapsöl zugefügt und diese mit frischen Apfelstückchen oder Apfelmus und Zimt angeboten werden. Für die sogenannten Läufer oder Senioren mit Lauftendenzen bieten sich Snackstationen mit energiereichem Fingerfood auf dem Laufweg oder in Sitzecken an. Diese Angebote sollten mit der zuständigen Überwachungsbehörde abgestimmt sein, um den hygienischen Anforderungen zu genügen.

Als Snack eigenen sich geschnittenes Obst oder Gemüse, Brote, Müsliriegel, Käsewürfel, Gebäck, Waffeln oder gefüllte Windbeutel, die sich jeweils süß oder herzhaft zubereiten lassen, kann je nach Vorlieben auch bei jeder Laufrunde am Stationszimmer erfolgen. Für Betroffene, die gar nicht ruhig sitzen können, kann auch eine Mahlzeit in einer Art Bauchladen mit auf den Weg gegeben werden, was man auch als Eat by Walking bezeichnet.

Besonders in späten Stadien der Demenz werden teilweise weiche und überwiegend flüssige Speisen bevorzugt. Zum Frühstück können dann weich gekochte Getreidebreie, Porridge, Schmelzflocken, Joghurt und pürierte (Trocken-)früchte sowie Nussmus zu einer bedarfsgerechten Verpflegung beitragen. Darüber hinaus sind Gemüsecremesuppen, Smoothies, angedickte Fruchtsuppen und abwechslungsreiche Pürees z. B. aus Kartoffeln mit Hülsenfrüchten geeignet, den Speisenplan zu bereichern.

Zur Unterstützung der geistigen Leistungsfähigkeit sollte auf eine ausreichende Trinkmenge von 1,3 bis 1,5 Litern täglich geachtet werden. Ideal sind Mineralwasser, Kräuter- oder Früchtetee, Saftschorlen sowie Kaffee und Tee. Oft werden zimmerwarme, von einigen Senioren auch farbige oder süße Getränke bevorzugt. In jedem Stadium der Demenz trägt das Essen und Trinken nicht nur zur Deckung des Bedarfs bei, sondern hat ein hohes Potential Vertrautheit und Wohlbefinden zu vermitteln.

Achten Sie bei der Gestaltung des Essplatzes darauf, dass der Senior mit Demenz nicht überfordert ist. Während einige bei Tisch noch sehr kompetent agieren können, sind andere mit dieser Situation überfordert und benötigen Unterstützung oder eine Gestaltung des Essplatzes, die ihnen Sicherheit gibt. Probieren Sie individuell aus, ob die Selbstbedienung am Buffet oder ein Schöpfsystem am Tisch funktioniert oder ob ein vorportionierter Teller besser ist. Manchmal überfordern auch mehrere Gegenstände auf dem Tisch, so dass schon Teller und Besteck zu viel sind. Geschirr, Gläser und Speisen müssen gut erkennbar sein. Probieren Sie aus, ob beispielweise der laufende Fernseher oder leise Musik, ein Aquarium oder gemusterte Tischdecken oder Tischschmuck eher ablenken oder zur Gewohnheit gehören und Wohlbefinden schaffen.

Bieten Sie über die Auswahl der Speisen Orientierung. Halten Sie Gewohnheiten ein, wie beispielsweise eine Glocke oder ein Gebet vor dem Essen und wenn Sie bei der Speiseplangestaltung, eine jahreszeitliche Orientierung, einen regionalen Bezug auch auf Basis der Essbiografie des Einzelnen beachten, gibt dies zusätzlich Sicherheit.