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Verpflegung bei Demenz

Bei einer Demenz handelt es sich um eine degenerative Veränderung des Gehirns mit einem Verlust von kognitiven Fähigkeiten.

Demenz ist nicht zwangsläufig mit einer Veränderung des Essverhaltens verbunden. Im Grundsatz gelten für Menschen mit Demenz die gleichen Anforderungen wie bei der Verpflegung von Senioren ohne Demenz. Im Verlauf der Krankheit ergeben sich abhängig vom Schweregrad der Krankheit, dem individuellen Krankheitsverlauf und der Tagesform des Einzelnen besondere Anforderungen an das Angebot oder die Darreichung sowie je nach Essverhalten und Appetit die Gefahr einer Mangelernährung.

 

Was bei Demenz individuell zu beachten ist

  • Beim Auftreten starker Mobilität und Unruhe steigt der Energie- und Flüssigkeitsbedarf im Einzelfall erheblich an. Bei erhöhtem Energiebedarf, der durch innere Unruhe und hohen Bewegungsdrang entsteht, muss das Essen mit energie- und nährstoffreichen Lebensmitteln angereichert oder bei Bedarf hochkalorische Zusatznahrung angeboten werden. Im Einzelfall können 3.000 bis 4.000 kcal pro Tag nötig sein.
  • Die Unruhe kann auch dazu führen, dass die Betroffenen nicht am Tisch sitzen bleiben. In diesem Fall kann das Essen als Fingerfood mit auf den Weg gegeben werden, was als Eat by Walking bezeichnet wird. Isst ein Bewohner gar nicht am Tisch, kann es auch mit einem Stehtisch probiert werden oder ein Tablett oder leichter Kasten mit einem Band als „Bauchladen“ umgehängt werden.
  • Für die Läufer können an einigen Stellen des Laufweges auch Essstationen mit Fingerfood eingerichtet werden. Diese müssen jedoch gut einsehbar sein und regelmäßig kontrolliert werden, so dass die hygienischen Anforderungen erfüllt sind.
  • Nach interner Erarbeitung eines Konzepts wird empfohlen, vor der Umsetzung die zuständige Überwachungsbehörde hinzuzuziehen.
  • Weiterhin kann es bei den Betroffenen zu einem gestörten Hunger-Sättigungs-Gefühl kommen. Das hat zur Folge, dass der Betroffene immer weiter essen möchte oder das Essen permanent ablehnt. In beiden Fällen kann die Küche entsprechend agieren, indem sie viele kleine Speisen je nach Bedarf mit wenig oder viel Energie zur Verfügung stellt.
  • Geht im Verlauf der Krankheit die Fähigkeit verloren adäquat mit Besteck umzugehen, sollten möglichst alle Speisen als Fingerfood angeboten werden, um so die Eigenständigkeit beim Essen zu erhalten.
  • Oft wird die Demenz von Depressionen begleitet. Diese können zu Appetitlosigkeit und damit zu vermindertem Essen und Trinken führen. In diesem Fall können die in der Essbiografie genannten Lieblingsspeisen helfen, die besonders appetitanregend dargereicht und bei Bedarf mit energiereichen Lebensmitteln angereichert sein können.
  • Menschen mit Demenz können, besonders in späteren Phasen der Erkrankung, gefühlt in ihrer Kindheit leben und geschmacklich eine Präferenz für Süßes entwickeln. In diesem Fall können alle Speisen (auch herzhafte) gesüßt oder mit ein wenig Zucker bestreut werden. Diese Präferenz gilt nicht für alle Menschen mit Demenz und kann auch abhängig von der Tagesform sein.  
  • Kräftige Farben von Speisen und Getränken erleichtern das Erkennen. Speisen und Getränke können (z. B. mit rotem Traubensaft, Kirschsaft, Holundersaft) gefärbt werden. Beim Anrichten der Speisen auf dem Teller und bei der Gestaltung des Essplatzes wird darauf geachtet, dass sich der Tisch oder die Tischdecke und das Geschirr farblich deutlich voneinander abgrenzen. Farbliche Kontraste erleichtern das Erkennen des Geschirrs und der Speisen.
  • Im Verlauf der Demenz entwickeln fast alle Betroffenen Schluckstörungen. In diesem Fall werden Speisen und Getränke den individuellen Anforderungen angepasst.