Freitag, 10.05. 2019

„Akuter Handlungsbedarf“: Erste Vernetzungsstelle für Seniorenernährung gegründet

Das Saarland ist das erste Bundesland, das Aktivitäten zur Verbesserung der Verpflegung älterer Menschen gemäß DGE-Qualitätsstandard ausweitet.

(v.l.n.r.) Philipp Jochum, Christoph Bier (Referatsleiter), Reinhold Jost, Vera Lamberts (stellvertretende Referatsleiterin), Sandra Gerundt

In der Seniorenverpflegung gibt es einen „akuten Handlungsbedarf“, wie das saarländische Verbraucherschutzministerium hervorhob: Ein vorrangiges Problem sei die Gefahr der Mangelernährung älterer Menschen. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft e. V. (DGE) von 2008 ist jeder zweite Bewohner in stationären Einrichtungen der Altenpflege gefährdet, direkt betroffen sind 11 Prozent. Der letzte DGE-Ernährungsbericht von 2016 stellt zudem fest, dass DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung nur in 15,6 Prozent der befragten stationären Senioreneinrichtungen in Deutschland umgesetzt werden.
Hinzu kam ein weiterer Befund: Unlängst hatte eine Untersuchung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gezeigt, dass Speisen in Pflegeeinrichtungen häufig mit Keimen belastet sind.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der neue Vorstoß aus Saarbrücken ein besonderes Gewicht. Ab Mai gibt es im Verbraucherschutzministerium zwei neue Ansprechpartner für die Seniorenverpflegung. Sie sind Teil der neuen Vernetzungsstelle unter dem Namen VNS SenE. Sie arbeitet nach dem Modell der VNS für die Kita- und Schulverpflegung, die es bereits seit gut zehn Jahren gibt.

Das DGE-Projekt „IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung" begrüßt die neuen Kollegen in der ersten Vernetzungsstelle für Seniorenernährung. Denn vollwertiges Essen und Trinken spielt für den Erhalt und die Förderung von Gesundheit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter eine zentrale Rolle, betont Theresa Stachelscheid von der DGE. Die Oecotrophologin ist eine der beiden Expertinnen für das IN FORM-Angebot „Fit im Alter“: „Genussvolle und ausgewogene Mahlzeiten stiften Wohlgefühl und Lebensqualität. Auf die Verpflegung älterer Menschen müssen wir besonders achten - ob zuhause oder in stationären Senioreneinrichtungen, denn mit steigendem Alter nimmt durch körperliche, krankheitsbedingte oder soziale Veränderungen und Beeinträchtigungen das Risiko einer Mangelernährung zu.“

Wünsche und Bedürfnisse älterer Menschen beachten

Mit zunehmendem Alter brauchen Menschen Unterstützung in vielen Bereichen, auch beim Essen. Wird diese nicht geleistet, steigt die Gefahr der Mangelernährung. Das ist bisweilen eine schleichende Entwicklung. Die medizinische Versorgung steht im Vordergrund. Die Rolle der Ernährung führt oft noch ein Schattendasein.
Deshalb ist es wichtig, dass das Fachpersonal aus Küche, Pflege und Hauswirtschaft die jeweiligen Kompetenzen gemeinsam dafür besser einsetzt, so wie es das Schnittstellenmanagement im DGE-Qualitätsstandard empfiehlt.

Theresa Stachelscheid wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema, von dem viel abhängt: „Essen hat eine zentrale Bedeutung gerade für ältere Menschen. Alle, die an der Verpflegung beteiligt sind, sollten sensibilisiert, motiviert und so geschult werden, diese bedarfsgerecht und vor allem bedürfnisgerecht zu gestalten.“ Das bedeutet, auch individuelle Wünsche und Anforderungen im Alter stärker im Speisenangebot zu berücksichtigen. Das DGE-Projekt IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung unterstützt die neue Vernetzungsstelle mit ihrer Kompetenz und langjährigen Erfahrung sowie ihren Medien im Bereich der Seniorenverpflegung.

„Es ist eine gute Nachricht, dass jetzt die neuen Fachkräfte in der Vernetzungsstelle Saarland Aktivitäten verstärken, um die Verpflegung in stationären Senioreneinrichtungen sowie das Angebot „Essen auf Rädern“ stärker an den DGE-Qualitätsstandards auszurichten,“ sagt die Leiterin des DGE-Projekts Dr. Jasmin Geppert: „Wir hoffen, dass bald weitere Bundesländer diesem positiven Beispiel folgen.“


Die VNS ist für Akteure im Bereich der Seniorenverpflegung und Angehörigenvertretungen erreichbar unter Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailseniorenernaehrung(at)umwelt.saarland.de