fit im Alter: Gesund essen, besser leben

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Veränderungen im Alter

Der Alterungsprozess beginnt bereits nach der Pubertät und im Laufe der Jahre ist der Körper von verschiedenen Veränderungen betroffen. Aufgrund von zahlreichen Reservekapazitäten machen sich diese allerdings erst ab dem 60. Lebensjahr bemerkbar. Das Ausmaß dieser Veränderungen wird einerseits durch die Veranlagung und anderseits durch den Lebensstil und die langfristige Ernährung (Aufbau von Reservekapazitäten) stark beeinflusst. Wichtige Veränderungen, die für die Nahrungsaufnahme und den Ernährungsstatus von Bedeutung sind, betreffen 


Körperzusammensetzung und Gewicht

Zu den physiologischen Veränderungen zählen u. a. die Veränderungen der Körperzusammensetzung wie z. B. abnehmende Muskel- und Knochenmasse, abnehmender Wassergehalt des Körpers und zunehmender Fettgehalt des Körpers. Diese veränderte Körperzusammensetzung bewirkt einen sinkenden Grundumsatz. Hinzu kommt eine geringere körperliche Aktivität bei Seniorinnen und Senioren, die den Muskelabbau zusätzlich begünstigt und dadurch den Leistungsumsatz senkt.

Gewicht

Das Gewicht muss bei Seniorinnen und Senioren regelmäßig kontrolliert werden, um Untergewicht rechtzeitig zu erkennen und einer Mangelernährung vorzubeugen.
Eine Methode zur Bewertung des Körpergewichts ist der Body Mass Index (BMI) [Körpergewicht (kg)/Körpergröße (m²)]

Folgende Tabelle zeigt den altersunabhängigen Body Mass Index nach WHO (Tab.)

Gewichtsklassifikation  bei Erwachsenen (WHO, 2000)

Gewichtsklasse

BMI [kg/m²]

Risiko für Begleiterkrankungen

Untergewicht

< 18,5

niedrig

Normalgewicht

18,5-24,9

durchschnittlich

Übergewicht

ab 25,0

siehe nächste Zeile

Präadipositas

25,0-29,9

gering erhöht

Adipositas
Grad I

30,0-34,9

erhöht

Adipositas Grad II

35,0-39,9

hoch

Quelle: WHO. Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894, Genf 2000

Jedoch wird für das hohe Alter immer wieder ein altersabhängiger Body Mass Index diskutiert. Studien haben gezeigt, dass BMI-Werte unter 22 bereits als Hinweis auf eine undefinedMangelernährung gewertet werden können. Ein BMI von 24 wird sogar als wünschenswert betrachtet. BMI Werte zwischen 25-29,9 sollten daher kein ausschließlicher Grund zur Gewichtsreduktion im Alter sein. Allerdings kann ein BMI über 30 auch im hohen Alter zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und u. a. chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 beitragen.

Die Bewertung des Ernährungszustands anhand des BMIs allein ist nicht ausreichend. Eine Mangelernährung kann auch bei normal- oder übergewichtigen Personen auftreten, wenn z. B. die Ernährungsweise einseitig ist. Vielmehr muss der gesamte Gesundheitszustand beobachtet und bewertet werden.  


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Energie- und Nährstoffbedarf

Die oben beschriebene veränderte Körperzusammensetzung und ihre Auswirkungen auf Grund- und Arbeitsumsatz führen zu einem geringeren Energiebedarf, d. h. dass weniger von den energieliefernden Nährstoffe Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß benötigt werden, gleichzeitig aber Vitamine und Mineralstoffe gleichbleibend oder teilweise vermehrt zugeführt werden sollten.

Kurz gesagt: Der Nährstoffbedarf bleibt gleich oder ist erhöht. Folglich sollten ältere Menschen Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte verzehren.

Informationen zur Berechnung des Energiebedarfs finden Sie in der undefinedRubrik "Die Nährstoffe"


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Nachlassender Appetit (Altersanorexie) und verringertes Durstempfinden

Durch Veränderungen im Hormonhaushalt im Alter kommt es auch zu einer veränderten (gestörten) Hunger-/Sättigungs-Regulation. Dies liegt vor allem an einer langsameren Magenentleerung und einer schnelleren Ausschüttung der Sättigungshormone, sodass die Mahlzeiten frühzeitig beendet werden. Die abnehmende Sinneswahrnehmung wirkt sich außerdem negativ auf die Magensaftproduktion aus und beeinflusst so die Hunger-/Sättigungs-Regulation. Zudem können durch Kaubeschwerden, Medikamente oder auch Depressionen der Appetit und die Lust am Essen abnehmen.

Das Durstempfinden verringert sich ebenfalls im Alter. Oft wird eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme durch die Angst vor häufigen (und/oder nächtlichen) Toilettengängen oder durch Gewohnheiten, wie z. B. beim Essen nicht zu trinken, unterstützt. Zu einer Dehydratation kann es auch durch Abführmittel oder Diuretika kommen.

Praktische Tipps:

  1. Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt anbieten.
  2. Abwechslungsreiches Speisenangebot und Getränkeangebot bereitstellen.
  3. Körperliche Aktivitäten, am besten an der frischen Luft, regen den Appetit an.
  4. Angenehme Essatmosphäre schaffen.
  5. Erstellung eines Trinkfahrplans und eines Trinkprotokolls zur Erfassung der Trinkmenge (auch Kaffee gehört in die Trinkbilanz).
  6. Zu jeder Mahlzeit Getränke anbieten.
  7. Trinkmenge für den Tag bereitstellen.


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Veränderte Sinneswahrnehmungen

Im Alter nimmt die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung ab. Dies wird oft zusätzlich durch Medikamente oder in Folge von Krankheiten verstärkt. Außerdem wird durch Veränderungen der Mundschleimhaut und durch Zahnprothesen die Entfaltung der Geschmacksstoffe gehemmt.
Wie stark die Geschmackswahrnehmung süß, sauer, salzig und bitter abnimmt ist individuell, wobei süß und salzig meist am stärksten betroffen sind. Bei der Sinneswahrnehmung spielt das Sehvermögen eine große Rolle.

Ab dem 60. Lebensjahr kommt es vermehrt zur Beeinträchtigung des Sehvermögens durch den Altersstar (Cataracta sensilis). Dies ist oft Ursache für den Grauen Star (Katarakt), der auch bei Diabetes mellitus auftreten kann. Die Senioren klagen dann über Nebelsehen, erhöhte Blendempfindlichkeit und Sehverschlechterung. Dadurch werden Farben und Formen möglicherweise nicht unterschieden, sodass die Speisenkomponenten oder auch das Tischgedeck nicht erkannt werden.  

Praktische Tipps:

  • Richten Sie das Essen appetitlich an und berücksichtigen Sie die farblichen Kontraste
  • Verwenden Sie Kräuter und Gewürze, um den Appetit anzuregen.


Verringerte Speichelbildung

Die Speichelbildung spielt bereits für die Sinneswahrnehmung, Nahrungsaufnahme und auch die Verdauung eine wichtige Rolle. Im Alter nimmt diese ab. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Beim Kauen werden normalerweise die Speicheldrüsen massiert und so der Speichelfluss gefördert.

  • Speicheldrüsen gehen zurück
  • geringere (erschwerte) Kauleistung
  • abnehmende Sinneswahrnehmung
  • Zahnprothesen, Medikamente

Eine unzureichende Speichelbildung fördert Entzündungen im Mundraum bzw. hemmt deren Heilung. Zudem erschwert ein geringer Speichelfluss die Nahrungsaufnahme.

Praktische Tipps:

  • Fragen Sie den behandelnden Arzt nach den Nebenwirkungen der Medikamente und möglichen Alternativen.
  • Würzen Sie die Speisen mit Kräutern und Gewürzen, um über die Sinneswahrnehmung den Speichelfluss zu fördern.

 

Verringerte Speichelbildung, Mundtrockenheit, abnehmende Geruchs- und Geschmackswahrnehmung sowie Kaubeschwerden treten im Alter nicht nur gemeinsam auf, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf das Essverhalten und die Verdauung haben.


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Verdauung und Magen-Darm-Trakt

Von den physiologischen Veränderungen sind auch die Verdauung und die inneren Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und vor allem der Magen betroffen. Es kommt zu verschiedenen Veränderungen der Magenschleimhaut. Dadurch werden weniger Magensaft und -säure produziert und so die Aufnahme von Vitamin B12 und Mineralstoffen wie Eisen und Calcium verringert. Zudem kommt es zu einer späteren Magenentleerung. Darüber hinaus wird die Muskulatur der Organe geschwächt. Dies hat Auswirkungen auf die Darmbewegung (Peristaltik) wodurch es zu Verstopfung (Obstipation) kommt.

Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst und Gemüse fördern die Darmbewegung. 

Diese Veränderungen führen zu einem gestörten Hunger-/Sättigungsgefühl. Dabei werden Sättigungshormone verschüttet obwohl der Magen noch nicht gefüllt ist.


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Kauleistung

Die Kauleistung kann sich im Alter verschlechtern. Zum einen durch die Abnutzung des Zahnbeins und des Zahnschmelzes und zum anderen durch einen schlechten Zahnstatus. Beispielsweise führen Entzündungen des Zahnfleisches, Karies und mangelnde Mundhygiene oft zu Zahnverlust. Die schlechtsitzende Zahnprothese und Entzündungen der Mundschleimhaut verursachen dann Schmerzen beim Essen, sodass die Lust und Freude am Essen verloren gehen. Besonders der Verzehr von Obst und Gemüse nimmt bei Kaubeschwerden ab. Damit trotzdem eine ausreichende Menge an Obst und Gemüse verzehrt werden kann, muss das Angebot an die Kauleistung angepasst werden.

Praktische Tipps:

  1. Zahnstatus bzw. die Prothese regelmäßig überprüfen lassen.
  2. Regelmäßige Mundhygiene beachten, um das Risiko von Entzündungen zu verringern.
  3. Die Konsistenz des Essens ggf. anpassen, z. B. Gemüse und Kartoffeln mit der Gabel zerdrücken und (weiches) Fleisch kleinschneiden.
  4. Harte Lebensmittelteile wie Obstschalen oder Brotrinden entfernen.
  5. Lebensmittel austauschen, z. B. Fisch statt Fleisch, streichfähiger Käse statt Hartkäse.


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Durstempfinden nimmt ab

Glas mit Wasser und Salbei als Dekoration
Quelle: JOB&FIT

Grundumsatz (Definition)

Energiebedarf der für die Aufrechterhaltung der Organtätigkeit (wie Atmung, Herztätigkeit) in völliger Ruhe sowie den Erhalt der Körpertemperatur benötigt wird.

Leistungsumsatz (Definition)

Der Leistungsumsatz ist die Energiemenge, die der Körper innerhalb eines Tages benötigt, um Arbeit zu verrichten. Als Leistungsumsatz wird dabei die Energie bezeichnet, die über den Grundumsatz hinausgeht. Der Leistungsumsatz ist abhängig von körperlicher Aktivität, der Wärmeproduktion und der Lebenssituation.

Seniorenalter

Von Senioren spricht man ab dem Rentenalter, d. h. 65 Jahren. Das hohe Alter wird definiert ab 75 Jahren.

Mangelernährung (Definition)

Zustand des Mangels an Energie, Eiweiß oder anderen Nährstoffen, der mit messbaren Veränderungen von Körperfunktionen verbunden ist, einen ungünstigen Krankheitsverlauf zur Folge hat und durch Ernährungstherapie reversibel ist.

Unterschied des Energiebedarfs

Ein 80-Jähriger benötigt etwa 400 kcal weniger als ein 30-Jähriger. 400 kcal entsprechen auf Lebensmittel bezogen ungefähr
einer Tafel Schokolade oder
einer großen Portion Fleischkäse (150 g) oder
einer normalen Portion Sachertorte (130 g) oder
einer Bockwurst (130 g) mit Brötchen und Senf.

Essen und Trinken im Alter

Titelseite der Broschüre "Essen und Trinken im Alter"

Mit zunehmendem Alter sinkt der Energiebedarf, die erforderliche Zufuhr an Vitaminen und Nährstoffen bleibt jedoch konstant bzw. ist teilweise erhöht. Um den individuellen Ernährungsbedürfnissen von Menschen mit primär körperlich unterschiedlichen Voraussetzungen Rechnung zu tragen, wurde die Broschüre "Essen und Trinken im Alter" entwickelt. Sie beinhaltet Richtwerte für die durchschnittliche Energiezufuhr pro Tag, liefert wichtige Informationen über die Hauptnährstoffe und stellt die in der Seniorenernährung als "kritisch" anzusehenden essentiellen Nährstoffe vor. Auf der Basis des DGE-Ernährungskreises werden wichtige Tipps zur Umsetzung in die Praxis gegeben und diese mit Mengenempfehlungen und Kalkulationsdaten zur Erstellung von Speiseplänen veranschaulicht.

undefinedZum Download der Broschüre

 

Genussvolle Rezepte bei Kau- und Schluckstörungen

Titelseite der Broschüre "Genussvolle Rezepte bei Kau und Schluckstörungen"

Die abwechlsungsreiche und ansprechende Gestaltung der Speisen für Seniorinnen und Senioren mit Kau- und Schluckstörungen wird oft als Herausforderung gesehen. Mit unserer Broschüre möchten wir Ihnen eine Hilfestellung und Anregungen bieten. Wir haben herzhafte und süße Gerichte mit verschiedenen Konsistenzen für Sie zusammengestellt. So können die Speisen an die Beschwerden der Seniorinnen und Senioren angepasst werden.

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